Schultüten gibt es bereits seit ca. 1810, vor allem in Sachsen und Thüringen, wo sie dazu dienten, Schulanfängern den Schulteintritt zu erleichtern. Man sagte den Kindern, dass es im Haus des Lehrers einen Schultütenbaum gebe. Seien die einzelnen Tüten dann groß genug, sei es an der Zeit, in die Schule zu kommen. Doch heutige Schultüten haben kaum mehr etwas mit den damaligen Zuckertüten zu tun, was schon bei der äußeren Gestaltung der Kartonpappen anfängt. Waren diese früher hauptsächlich mit dem Namen des Schulanfängers beschriftet und mit Süßigkeiten befüllt, welche die Kinder sonst nur an Feiertagen naschen durften, gibt es heute unzählige verschiedene Aufdrucke, Farben und Größen. Die Kleinen freuen sich über Prinzessinnen, Autos, Delfine oder sonstige Aufdrucke und wollen nur die größte Tüte, die nicht nur mit Süßigkeiten gefüllt ist. Nein, darin sollen sich auch technische Spielsachen, wie ferngesteuerte Autos, Hightech Taschenrechner, Handys, Spiele für die Spielekonsole und andere neumodische Produkte befinden.
Erstens möchten die Kids mit ihren Schulkameraden mithalten können, zweitens hat sich ihr Konsumverhalten schon so stark verändert, dass sie sich nicht mehr nur mit Naschereien, Blöcken und Stiften zufrieden geben. Irgendwie auch schade das Ganze. Denn nun ist die Zuckertüte kein besonderes Geschenk mehr, sondern eine Pflichtbeigabe, bei der die Kinder ganz genau darauf achten, wie sie bedruckt und mit was sie gefüllt ist. Sonst ist der Frust bei der Rückkehr in die Wohnung in Chemnitz schon vorprogrammiert. Das wissen auch die Eltern, weshalb sich viele am Konsumverhalten ihrer Kinder orientieren und das beste Exemplar einer Schultüte aussuchen. Ob sie den Kids damit wirklich einen Gefallen tun, da diese bei all dem Konsum kaum mehr echte Werte wie Glück, Liebe und Freundschaft schätzen, muss wohl jeder selbst entscheiden. Es ist aber sicher nicht verkehrt, sich einfach für eine kleine Zuckertüte mit Süßigkeiten und wichtigen Schulutensilien zu entscheiden, damit das eigene Kind später nicht ständig in die Konsumfalle tappt.